Technik des FST erlebt Revival

Prof. Dr. Anton Friedmann wird sich in seinem Kurs im November in der Haranni Academie (Herne) einem besonderen Thema widmen – den freien Schleimhaut- und Bindegewebstransplantaten. Im dzw-Interview beschreibt er den intensiven Handson- Kurs und erläutert, warum die Technik des FST derzeit ein Revival erlebt.

Herr Professor Friedmann, Ihr nächster Kurs an der Haranni Academie ist dem Thema „Freie Schleimhaut- und Bindegewebstransplantate“ gewidmet. Was erwartet die Teilnehmer?

Prof. Dr. Anton Friedmann: Die Teilnehmer werden im Rahmen des theoretischen Teils der Veranstaltung an die beiden Themenblöcke herangeführt. Dabei werden insbesondere die Unterschiede im Ergebnis beider Verfahrenstechniken betont werden. Selbstverständlich wird das Know-how inklusive der Besonderheiten beim einen wie beim anderen Verfahren vermittelt, die Techniken der Entnahme und der Verlegung gerade von den FST werden veranschaulicht und anhand von klinischen Langzeitdokumentationen vorgestellt. Gleiches betrifft natürlich die Arbeit mit den Bindegewebetransplantaten. Erwarten wird die Teilnehmer auch der Einsatz von Hyaluronsäure, die die Heilungsprozesse erwiesenermaßen sehr effektiv unterstützt sowie der Einsatz von Histoacrylkleber anstelle von Nahttechniken vor allem in der Arbeit mit den FST.

An welche Kolleginnen und Kollegen richtet sich der Kurs?

Friedmann: Der Kurs ist so ausgelegt, dass Grundkenntnisse und praktische Erfahrung in der Anwendung von minimal-invasiven chirurgischen Methoden eine Voraussetzung sind. Die Handhabung und die Auswahl der entsprechenden chirurgischen Instrumente sollte bekannt und geübt sein. Das Arbeiten mit feinen Nahtmaterialien und die Anwendung von Mikroskalpellen sowie von feinen Skalpellen wie 15 C sollten zum Alltag gehören.

Warum ist die Technik der Entnahme und der Verlegung von freien Schleimhauttransplantaten (FST) seit einiger Zeit in Vergessenheit geraten? Was zeichnet diese Technik besonders aus?

Friedmann: Der Technik der freien Schleimhauttransplantate eilt bedauerlicherweise ein schlechter Ruf voraus, der sowohl das äußerliche Bild als auch die Qualität des transplantierten Gewebes nach der Einheilung negativ konnotiert. Die negativen Erfahrungen und die ablehnende Darstellung der erzielbaren Ergebnisse sind sicherlich nicht unbegründet, weil es in der Vergangenheit – gerade wegen einer gewissen Popularität des Verfahrens in früheren Jahren – durchaus Ergebnisse gab, die weder in der Ästhetik noch in der Funktion den Ansprüchen genügten. Die nachgesagten farblichen und Texturunterschiede des Transplantats nach der Einheilung lassen sich sehr einfach vermeiden, genauso wie eine übermäßige Schrumpfung der FST auch – alles Aspekte, die leider bis heute noch die Debatte um das Verfahren dominieren. Die Technik ermöglicht vielmehr eine prognostisch sichere und langfristige Verbreiterung des befestigten keratinisierten Gewebes, ob an einem natürlichen Zahn oder an einem Implantat, und trägt sowohl im Sinne der Prävention als auch der therapeutischen Wirkung zur Entzündungsfreiheit der biologischen Strukturen bei. Diese Aspekte fanden Eingang in die neue Klassifikation parodontaler Strukturen und Veränderungen, sodass die Technik des FST international sicherlich gerade ein Revival erlebt.

Der Tageskurs ist als intensiver Hands-on-Kurs ausgeschrieben. Wie viel Anteil haben die praktischen Übungen an der gesamten Fortbildung?

Friedmann: Es wird in zwei mehr oder weniger separaten Abschnitten um die Theorie und Praxis beider Verfahren gehen, der FST- und der BGT-Transplantation. Dabei wird wie bereits erwähnt auch die Anwendung und die Rolle von biologisch aktiven Molekülen wie der Hyaluronsäure angesprochen und anhand von publizierten Daten diskutiert. Der Anteil der praktischen Übungen kann man bei gut 50 Prozent der Kurszeit ansetzen.