Große Praxisteams erfolgreich in die Zukunft führen

Der Anteil größerer Zahnarztpraxen nimmt stetig zu. Gleichzeitig bedingt das erfolgreiche Arbeiten mit angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzten andere Managementprinzipien als die inhaberzentrierte Praxisführung. Speziell für zahnärztliche und kaufmännische Führungskräfte in Großpraxen haben die Haranni Academie (Herne) und die KlapdorKollegen Academy (Münster) einen innovativen IHK-zertifizierten Lehrgang entwickelt, der erstmals im März 2023 startet. Im dzw-Interview stellen Maike Klapdor, Geschäftsführerin der KlapdorKollegen Academy, und Christiane Fork, Leiterin der Haranni Academie, die Veranstaltung und damit verbundene Zielrichtungen vor.

Frau Klapdor, warum wird inzwischen so viel über Praxisführung geredet?

Maike Klapdor: Die Menschen suchen Antworten aufgrund zunehmender Komplexität. Der Trend geht zur Mehrbehandlerpraxis und jeder wachsende Betrieb erlebt meistens rund um die Integration des dritten Zahnarztes oder Zahnärztin organisatorische Holprigkeiten. Auch der soziale Wertewandel und natürlich die Herausforderungen bei Stellenbesetzungen spielen eine Rolle. Aktuell kommt noch die Frage der Reaktion auf Kaufkraftverluste bei den Patienten hinzu. Bei jedem Thema richtet sich der erwartende Blick des Teams ganz automatisch auf die Praxisführung. Auf die Personen am Steuerrad. Konkret für diese ärztlichen und kaufmännischen Führungskräfte haben wir den Lehrgang konzipiert.

Frau Fork, die Haranni Academie engagiert sich in zunehmendem Umfang auch für Führungsthemen. Was ist der Hintergrund?

Christiane Fork: Es entspricht einfach unserer Überzeugung, als Fortbildungsanbieter neben rein fachlichen Themen auch Führungsthemen mit im Angebot zu haben. Wir verstehen uns als ganzheitlicher Dienstleister“ und das schließt mit ein, dass wir Führungskräften, die sich um Ziele, Prozesse und Strukturen kümmern, aber ebenso ihren Mitarbeiter:innen und der Kultur Beachtung schenken wollen, die notwendige Unterstützung und passende Angebote dazu geben. Die wachsende Nachfrage und ein sich veränderndes Kundenprofil spielen dabei ebenso hinein. Hatten wir noch vor einigen Jahren überwiegend Teilnehmer:innen aus eher kleineren und mittleren Praxen, so sind es mittlerweile vielfach die großen Praxen und MVZs, für die wir als Academie zu einer festen Komponente in den Qualifizierungsprozessen geworden sind.

Wenn Sie von sich veränderndem Kundenprofil sprechen, meinen Sie dann auch die wachsende Zahl der angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte?

Christiane Fork: Ja, definitiv! Die große Zahl an angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzten, die wir heute regelmäßig in unseren Fortbildungen haben, hat es so im Vergleich vor einigen Jahren noch nicht gegeben. Dieses Faktum müssen wir einfach auf dem Schirm haben.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Führungskräfte in Zahnarztpraxen?

Maike Klapdor: Im Erkennen der vielschichtigen Wechselwirkungen zwischen menschlichem Verhalten, Organisationsstrukturen, Teamkultur und wirtschaftlichem Erfolg. Wir beobachten noch erstaunlich viele Praxislenker, die zu viel mit dem Taschenrechner und zu wenig mit dem Herzen dabei sind. Dabei entstehen nachhaltige Erfolge immer im sozialen Feld der Praxis. Auch die treffsichere Kennzahlensteuerung ist eine Herausforderung. Je größer die Praxis, desto existenzieller ist ihre Bedeutung. Gleichzeitig wird weder im Zahnmedizin- noch im BWL-Studium vermittelt, welche Kennzahlen in den Fokus gehören und wie man sie beeinflussen kann. Nachrüsten zahlt sich aus. Ganz oben steht allerdings die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Davon hängt alles ab, weil das Verhalten der Führungskräfte die Praxiskultur prägt, die wiederum der zentrale Erfolgstreiber für das Gesamtgeschehen ist. Wie ich mich als Führungskraft selbst steuere, wie ich wahrnehme, agiere und kommuniziere, hat erheblichste Auswirkungen auf das Team und den Grad des erreichbaren Gesamterfolgs. Wer die Themen konsequent angeht, verschafft sich und der Praxis handfeste Vorteile.

Teilen Sie die Meinung von Frau Klapdor? Und was ändert sich, wenn Management, Führung und therapeutische Leitung Hand in Hand gehen?

Christiane Fork: Ich teile die Aussagen zu 100 Prozent – in doppelter Hinsicht: Ich trage ja selbst auch Verantwortung für mein Team … Die zusätzliche Bestätigung bekommen ich aus den Gesprächen mit unseren Kunden und Academie-Teilnehmer:innen. Aus guter Führung entsteht mehr Freude, Motivation und Begeisterung im Praxisalltag. Der Schulterschluss sorgt für organisationale und therapeutische Klarheit, hat Strahlkraft für das gesamte Team und steigert die Effizienz des gemeinsamen Wirkens im Sinne der Zahnmedizin und der Patienten.

Warum qualifizieren Sie Zahnärzt:innen und Praxismanagement in einem gemeinsamen Kurs?

Maike Klapdor: Zahnmedizin ist ein Mannschaftssport. Für den Patienten kommt das beste Ergebnis heraus, wenn Rezeption, Assistenz, Ärztinnen und Ärzte, Prophylaxe und Management eng und systematisch kooperieren. Große Praxen können ihre Chancen ideal ausspielen, wenn Perspektiven systematisch verschränkt werden, also therapeutische, organisatorische, personelle und kaufmännische Leitungsaufgaben vom Führungsteam in enger Koordination wahrgenommen werden. Aus diesem Ansatz heraus ist der Lehrgang konzipiert. Nachhaltig erfolgreiche Zahnarztpraxen arbeiten in dieser Konstellation.

Wenn Sie es nun auf den Punkt bringen, Frau Klapdor: Was ist der Schwerpunkt des IHK-Zertfikatslehrgangs?

Maike Klapdor: Menschen und Zahlen in Balance – das ist unsere zentrale Agenda. Diese wird in insgesamt zehn Modulen intensiv beleuchtet und mit Tools und Methoden so erarbeitet, dass die Teilnehmenden nicht nur für ihre Persönlichkeitsentwicklung erheblich profitieren, sondern auch ihren „Arbeitskoffer“ direkt in der Hand haben.

Warum haben Sie sich für zwei Seminarstandorte entschieden?

Christiane Fork: Ach, wir wollten einfach nicht zwischen unseren beiden Heimathäfen beziehungsweise Standorten Münster und Herne entscheiden müssen! (Lacht) Nein, Scherz beiseite: Uns ist es ein besonderes Anliegen, dass sich unsere Lehrgangs-Teilnehmer:innen ganz bewusst aus ihrem Praxisalltag rausziehen und auch von einem Maximum an Abwechslung profitieren können, wo das kollegiale Miteinander auch nach Kursende gepflegt und der Austausch miteinander großgeschrieben wird. Das bieten beide Standorte und deshalb haben wir das auch als Kooperationspartner so berücksichtigt.