Was tun mit dentalen Abfällen?

Herne, 4. Mai 2019: Wenn die Haranni Academie zum Hygiene-Forum für Praxisteams einlädt, wird Martin Dietrich, Geschäftsführer der Enretec, mit von der Partie sein und das wichtige Thema der Entsorgung von dentalen Abfällen besetzen. Im dzw-Interview erläutert er Besonderheiten sowie Entsorgungswege und gibt Tipps für nachhaltiges Arbeiten.

Sie haben sich mit Ihrer Firma auf die Entsorgung dentaler Abfälle spezialisiert. Worauf müssen Praxen bei der Sammlung und Entsorgung von medizinischen Abfällen besonders achten?

Martin Dietrich: Wir spüren es auch bei uns im Unternehmen ganz deutlich, dass sich das Bild der Praxen in puncto Hygiene in den vergangenen 20 Jahren deutlich verändert hat. Wo wir unsere damalige Kompetenz in der Entsorgung und Verwertung der Abfälle gesehen haben, beraten wir unsere Kunden heute meist vor der Abfallentstehung. Durch zunehmende Praxisbegehungen haben sich auch für uns steigende Nachfragen ergeben. Die richtige Handhabung anfallender Abfallstoffe steht bei der Kundenberatung an erster Stelle. Praxen müssen Abfälle in getrennten Behältern sammeln, die für die jeweilige Abfallart zulässig und entsprechend deklariert sind. Es ist auch ganz wichtig, dass unbefugte Personen keinen Zugang zu den Abfallsammelbehältern haben. Auch was die Entsorgung anbelangt, ist große Umsicht geboten. Praxen sollten ihre Entsorger sorgfältig auswählen und gegebenenfalls Zertifikate anfordern, die aufzeigen, wozu der Entsorger berechtigt ist beziehungsweise welche Auflagen er erfüllt (Transport, Sammlung, Verwertung). Für gefährliche Abfälle werden nämlich Nachweise benötigt, die die beauftragten Entsorger ausstellen müssen, sodass der Entsorgungsweg für die vergangenen drei bis fünf Jahre nachvollziehbar ist. Zahnarztpraxen sind dabei jedoch in der Pflicht, denn sie sind bis zur endgültigen Vernichtung der Abfälle verantwortlich, das schließt auch den Transport der Abfälle ein.

Ist die Abgrenzung von gefährlichen und nicht gefährlichen Abfällen für Mitarbeiter in Zahnarztpraxen immer eindeutig?

Dietrich: Dies ist dem Praxispersonal häufig auf Anhieb nicht ganz klar, da es im Praxisalltag mit ganz anderen Kernaufgaben befasst ist. Gerade hier ist deswegen auch besonderer Kundenservice gefragt, der den Umgang mit gefährlichen Abfällen schult und erklärt. Zu den gefährlichen Abfällen gehören in der Zahnarztpraxis Chemikalien jeglicher Art, auch die gängigen Röntgenchemikalien oder Amalgam – auch wenn dieses Füllmaterial schon seit Längerem nicht mehr in den meisten Zahnarztpraxen verwendet wird, so fällt dieser Abfall doch bei jeder Zahnarztpraxis an, nämlich bei den Amalgamauffangbehältern. Schon allein deshalb hat jede Zahnarztpraxis mindestens durch den Amalgamabscheider mit gefährlichem Abfall zu tun.
Andere Abfälle, die offiziell als nicht gefährlich eingestuft sind, bergen wiederum ein hohes Gefahrenpotenzial, zum Beispiel die scharfen und spitzen Gegenstände, wenn die Handhabung im Bereich Sammlung und Entsorgung den Mitarbeitern einer zahnmedizinischen Einrichtung nicht klar ist (hoher Anteil an Stichverletzungen). Aus diesem Grund haben wir aus eigenem Ansporn ein „stichsicheres Konzept“ entwickelt, das in einer übersichtlichen Broschüre zusammengefasst wurde und die wichtigsten Punkte rund um das Thema Abfall scharfer und spitzer Gegenstände aufführt.

Wo kann man sich über die richtigen Entsorgungswege informieren?

Dietrich: Nahezu jeder Fachhändler beteiligt sich beziehungsweise betreibt selbst ein Rücknahmesystem für Praxisabfälle. Daher sollte erster Ansprechpartner immer der betreuende Fachhändler sein. Dieser stellt Infomaterialien zusammen oder verweist direkt an das beauftragte Entsorgungsunternehmen, das über das notwendige Know-how verfügt.

Auch Zahnarztpraxen wollen nachhaltig arbeiten. In welchen Bereichen können sie sich für eine bessere, sprich: saubere Umwelt engagieren und ihren Beitrag dazu leisten?

Dietrich: Der jeweilige Umweltbeitrag fängt bei der Sammlung und Trennung unterschiedlicher Abfallstoffe in den Praxen an: So dürfen unterschiedliche Chemikalien nicht einfach zusammengeschüttet oder Fremdstoffe in die entsprechenden Sammelboxen beigelegt werden, da diese im Nachhinein wieder händisch zu trennen sind, sofern dies überhaupt möglich ist. Auch ist es nicht notwendig, Abfälle erneut – neben den bereitgestellten Behältersystemen zur Trennung der Abfälle – zu verpacken, beispielsweise zusätzliche Plastiktüten zu verwenden. Zusätzlicher Plastikabfall sollte hier möglichst vermieden werden. Auch bei der Abholung lässt sich nachhaltig arbeiten.
Wenn Abfallbehältersysteme erst bei einem entsprechenden Füllstand abgeholt und ausgetauscht werden, lassen sich bei Anfahrten des Entsorgers der CO2- Ausstoß, der Kraftstoffverbrauch etc. deutlich verringern. Es ist wichtig, dass sich alle Mitarbeiter einer Praxis dies immer wieder bewusst machen.


 

Erschienen in der dzw Die ZahnarztWoche Ausgabe 12/19 vom 20.03.2019

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