Kindergerechte Kommunikation, einfühlsame Verhaltenführung und mehr

Ende Januar bietet die Haranni Academie (Herne) einen Kurs mit der Referentin Dr. Gisela Zehner zum Thema "Methoden für eine entspannte Kinderzahnbehandlung" an. Wir wollten von der Referentin wissen, welche Elemente aus ihrer Sicht für eine vertrauensvolle und stressfreie Beziehung zwischen Zahnärztin/Zahnarzt und jungen/jüngsten Patienten essenziell sind.

Frau Dr. Zehner, Ihr Thema ist seit Langem die entspannte Kinderzahnbehandlung. Dazu bieten Sie im Januar auch einen Kurs an der Haranni Academie an. Was erwartet die Teinehmer?

Dr. Gisela Zehner: Das Seminar ist für das gesamte Praxisteam konzipiert und zielt insbesondere darauf ab, den Teilnehmern zaghlreiche praktische Hinweise und Tipps zu geben, um die Kinderzahnbehandlung entspannt und stressfrei zu gestalten. So ist es vor jeder Kinderzahnbehandlung erforderlich, ein emphatisches Vertrauensverhältnis (Rapport) aufzubauen und während der gesamten Behandlung aufrechtzuerhalten. Dazu gehören sowohl kindgemäße Praxiseinrichtungsgegenstände als auch eine kindgerechte Kommunikation sowie eine einfühlsame Verhaltensführung, worauf zu Beginn des Workshops ausführlich eingegangen wird.

Viele Kinder sind sehr aufgeregt, wenn sie zur Zahnbehandlung kommen, oder haben gar große Angst davor. Auch können sie von einem straken Würgereiz geplagt werden oder sehr schmerzempfindlich sein. Hier sind Methoden hilfreich, deren Wurzeln in der Jahrtausende alten traditionellen chinesischen Medizin liegen - die Akupuktur, Akupressur und Energetische Psychologie (Klopfakuprssur). Die praktische Anwendung dieser Methoden, die genaue Lokalisation der Akupunkturpunkte sowie Übungen zum Auffinden der individuell relevanten Punkte sind ein weiterer Schwerpunkt des Workshops.

Durch Kinderhypnose während der Zahnbehandlung wird die Entwicklung und Ausbreitung kindlicher Angst vermindert und die Bereitschaft zur Behandlung gefördert, und in Kombination mit Akupressur wird diese Wirkung noch verstärkt. Im Seminarverlauf wird gezeigt, wie die kleinen Patienten während der Kinderzahnbehandlung mit hypnotischen Suggestionen in eine entspannte Trance geführt werden. So können Kinder mithilfe von Zaubergeschichten, Fingerpuppen und Zauberstäben in kurze und schnell wechselnde angenehme Trancezustände versetzt werden (QuickTimeTrance). Damit wird ihre Wahrnehmung immer wieder von der Zahnbehandlung weg auf angenehme Dinge gelenkt. Durch diese Enrspanungstrancen wird die Schmerzempfindung herabgesetzt, und die kleinen Patienten werden ruhiger und ausgeglichener.

Das Buch "Hypnose beim Kinderzahnarzt" (Kossak und Zehner, Springerverlag 2011) beschreibt diese Methode sehr ausführlich und ist zur Vor- und Nachbereitung des Workshops hervorragend geeignet. Das Seminar ist so gestaltet, dass das gesamte Prxisteam auch ohne Vorkenntnisse davon profitieren kann. Zahlreiche Videoclips aus der Kinderzahnarztpraxis und Übungen zum Auffinden der Akupunkturpunkte ermögliches es den Teilnehmern, die Seminarinhalte sofort in die Praxis umzusetzen.

Warum sind so viele Kinder gestresst, aufgeregt und ängstlich, wenn sie in die Zahnarztpraxis kkommen? Welche Rolle spielen die Eltern dabei?

Zehner: Manche Kinder werden bereits durch Erzählungen von größeren Geschwistern, Eltern oder Großeltern negativ auf den Besuch in der Zahnarztpraxis eingestimmt. In besonders extremen Fällen wird den Kindern der Besuch beim Zahnarzt sogar als Strage angedroht, wenn sie nicht lieb sind! Dass ein solches Verhalten der Erwachsenen Ängste bei den Kinder schürt, muss wohl nicht extra betont werden.

Aber auch das Zuschauen der Kinder bei der Zahnkontolle der Eltern, um sie "an die Zahnarztpraxis zu gewöhnen", kann Ängste erzeugen. Die Eltern meinen es gut, aber sie beachten nicht, dass Kinder beim Zuschauen auch kleinste Zeichen von Unwohlsein bei ihren Eltern registieren, die in der Regel unbewusst ausgesendet werden, wenn man auf dem Behandlungsstuhl Platz nimmt. Beim Beobachten seiner Eltern empfindet das Kind nun über das neuronale Netzwerk der Spiegelneurone selbst ebenfalls dieses Unwohlsein und entwickelt Angst vor einer solchen Situation. Im Behandlungsraum sichtbare Geräte und bereitgelegte Instrumente können diese Negativemotionen noch verstätken.

Deshalb rate ich den Eltern, ihre Kinder nur dann bei der eigenen Zahnbehandlung zuschauen zu lassen, wenn sie selbst dabei völlig entspannt sind, damit durch die ausgesendeten unbewussten "Signale" vom Kin nur positive Zeichen epfangen werden, Die Eltern sollten also die Situation auf dem Behandlungsstuhl in der Zahnartpraxis so richtig geießen können, den Zahnarztbesuch ganz toll finden und sich schon im Vorfeld darauf freuen - aber bei wem ist das schon der Fall?

Viele Eltern leiden selbst unter Zahnarztangst und übertragen dieses Gefühl unbewusst auf ihre Kinder. Hier ist es angebracht, dieses Thema mit den Eltern zu kommunizieren und ihnen nahezulegen, eine andere Begleitperson mit dem Kind zu Zahnbehandlung zu schicken.Auch hören wir immer wieder von dem begleitenden Enternteil beruhigend gemeinte Negationen wie "Du brauchst keine ANgst zu haben, das tut nicht weh", die aver azf das Kind keinesfalls beruhigend wirken. Das Kind versteht nur "Angst" uund " weh tun" und zeigt oft erst nach einer solchen Negativsuggestion die ersten Zeichen von Angst und Stress.

Letztlich ist eine gute Vorbereitung der Kinder auf den Zahnarztbesuch durch die Eltern ausschlaggebend dafür, ob die kleinen Patienten den Zahnarztbesuch als schönes und lustiges Erlebnis empfinden oder ängstlich und gestresst reagieren, weil sie mit viel Unbekanntem konfrontiert werden, So empfehlen wir den Eltern, die Kinder mit dem Buch von den Zahnteufeln Hacky und Dicky auf die Behandlung vorzubereiten, und werwenden diese Geschichte auch bei der Zahnbehandlung mit Kinderhypnose. Außerdem können die Eltern mit ihren Kindern zu Huase Zahnarzt spielen und bekommen dafür von uns Mundschutz, Watterollen und Handschuhe mit. Einen kleinen Zahnspiegel können sie für die häusliche Kontrolle ebenfalls bei uns erwerben. Um die Kinder an die Behandlung in Liegeposition zu gewöhnen, empfehlen wir den Eltern, bei ihren Kindern die Zähne abends im Liegen mit einer elektischen Zahnbürste nachzupuzen. Neben dem besseren Reinigungseffekt ist das eine sehr wirksame Maßnahme, den kleinen Patienten die Angst vor der Liegeposition zu nehmen.

Kommen die Kinder gut vorbereitet von den Eltern zur Zahnbehandlung, gelingt es in der Regel sehr schnell und leicht, sie mit den Möglichkeiten der Kinderhypnose und Akupressur so so von der eigentlichen Zahnbehandlung "wegzubeamen", dass sie in ihrer Trance schöne Dinge erlegen. Nach einer gelungenen Behandlung fühlen sie sich gut und etspannt, ihr Selbstwertgefühl ist durch den Behandlungserfolg gestärkt, und sie freuen sich in der Regel tatsächlich auf den nächsten Besuch in unserer Praxis!

Der Kurs ist als Teamfortbildung ausgeschrieben. Warum ist es so wichtig, bei diesem Thema das gesamte Praxisteam mitzunehmen?

Zehner: Wenn das Seminar vom gesamten Praxisteam besucht wird, gelingt es schnell und leicht, die Inhalte später auch in der Praxis umzusetzen. Die Mitarbeiterinnen sind dann alle bereits gut geschult im Umgang mit den kleinen Patienten und kennen die Möglichkeiten, sie mit Geschichten und kleinen Hilfsmitteln in Trance zu führen. Sie haben die Akupressur der relevanten Akupunkturpunkte geübt und sind nun hoch motiviert, ihr Wissen in der Praxis anzuwenden.

Sie können die Kinder zur Vorbereitung auf die Zahnbehandlung mit etwas Übung schon bald selbstständig in Trance führen und die Behandler bei der Kinderhypnose und Akupressur gut unterstützen. Auch bei den Prophylaxesitzungen der kleinen Patienten können sie dieses Verfahren eigenständig anwenden, somit sammeln sie Erfahrungen in der Praxis und können sich im Team mit anderen darüber austauschen. Es trägt also auch zur Teambildung bei, wenn eine solche Fortbildung gemeinsam besucht wird und danach in der Praxis ein reger Erfahrungsaustausch stattfinden kann. So profitiert menem dem kleinen Patienten auch das gesamte Praxisteam von einem solchen Teamworkshop.