"Betriebswirtschaftliches Basiswissen gehört in jede Zahnarztpraxis"

Wenn im September die zweite Runde der OPTI Praxismanagerin IHK an der Haranni Academie in Herne startet, wird Svend Neumann als Referent für „Grundlagen der Betriebswirtschaft“ mit dabei sein. Neumann, seit 2014 bei der OPTI health consulting für den Bereich Investitions- und Übergabemanagement tätig, erläutert im dzw-Interview, warum BWL-Kenntnisse für das Praxismanagement so wichtig sind, und welchen Fokus er in seinem Modul legen wird.

Herr Neumann, warum sind Grundkenntnisse in Betriebswirtschaft für eine Praxismanagerin oder einen Praxismanager so wichtig?

Svend Neumann: Meiner Ansicht nach gehört ein Basiswissen für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge in einem Unternehmen – wozu ich eine Zahnarztpraxis zähle – zur Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche (Praxis-)Unternehmensführung durch die vorhandenen leitenden Angestellten/Personen. Nach meinen Erfahrungen aus dem Praxisalltag ist die Praxismanagerin oftmals sowohl in Personalentscheidungen als auch in Investitionsentscheidungen und in das Praxis-Controlling integriert. Eine Praxismanagerin oder ein Praxismanager sollte daher wissen, wie viel ein neuer Zahnarzt erwirtschaften muss, um rentabel zu sein. Sie oder er sollte wissen, wann sich ein neues Röntgengerät amortisiert hat, und in der Lage sein, verschiedene Praxiskennzahlen zu errechnen, um so die Praxis erfolgreicher auszurichten und somit den Praxisalltag aktiv zu beeinflussen – nicht komplizierter machen, sondern besser.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Lehrstoff?

Svend Neumann: Mein Ziel während des Seminars wird sein, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge einfach und nachvollziehbarrüberzubringen. Noch viel wichtiger ist es mir, dass wir Themen erarbeiten, die tatsächlich kurzfristig anzuwenden sind und jede Praxis optimieren und rentabler machen können. Ich werde während des Seminars viele Praxiskennzahlen erarbeiten, näherbringen und zeigen, was diese für Auswirkungen auf den Praxisalltag oder auch die Mitarbeitermotivation haben können. Ein Klassiker ist für mich oft die „Überstundenquote“: Oft wird durch den Praxisinhaber über nicht motiviertes Personal geklagt – schaut man sich die Quote der geleisteten Überstunden des Personals an, wird festgestellt, dass diese im Schnitt 30 bis 40 Prozent pro Woche mehr arbeiten. Oftmals sogar bei gleicher Bezahlung ohne gewisse Boni.

Welche wesentlichen Bausteine gehören zur betriebswirtschaftlichen Praxissteuerung? Was ist Chefsache? Welchen Part kann eine Praxismanagerin oder ein Praxismanager abbilden?

Svend Neumann: Das kommt tatsächlich auf die Inhaberin oder den Inhaber an. Dabei ist es oftmals wie folgt: Der Inhaber kümmert sich um das „BWA-Controlling“, die PM um das „PraxisControlling“. Ein Inhaber lässt sich nur sehr selten in die Zahlen schauen und weiht Teammitglieder in seine finanzielle Situation ein. Zum BWA-Controlling zählen dabei das Im-Auge-Behalten der Rentabilitätskennzahlen wie Umsatzrentabilität (also wie viel bleibt vom Umsatz übrig), dass Errechnen von Zuwachsraten (Gewinn,Kosten) etc. Für die Praxismanagerin ist es meiner Meinung nach wichtig, durch gezieltes Einsetzen von wichtigen Praxiskennzahlen (Personalkennzahlen, Auslastungskennzahlen etc.) sowie das Verstehen von betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen (Analyseinstrumente, Lebenszyklus) den Praxisalltag und den -ablauf zum Positiven verändern zu können.

Wenn man Ihren Part kurz zusammenfasst: Geht es darum, Zahlen zu verstehen und zielorientiert zu nutzen?

Svend Neumann: Ja, genau. Alles andere wäre auch schwierig und würde nicht ins Bild des gesamten Lehrgangs passen. Für jeden Referenten ist es – glaube ich – das Schönste, wenn die Teilnehmer aus dem Lehrgang kommen und Gelerntes schnell anwenden und vor allem auch umset zen können. Da mein Part dabei eher „Workshop-Charakter“ haben wird, bin ich mir sicher, dass jeder Teilnehmer mit dem gelehrten Stoff etwas anfangen kann. Ich freue mich riesig, dass erste Mal dabei zu sein und diesen wichtigen Part dabei zu lehren.

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